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Offener Brief an Landesrat Benger

04.02.2017 Robert Zechner

Sehr geehrter Herr Landesrat Benger,

Die Kärntner Slowenen sollen nicht in die Verfassung. Das ist Ihre Aussage. Der Tenor dieser Aussage ist natürlich auch „Kärnten ist einsprachig“. Durch die Nichterwähnung der Slowenen in der Verfassung, die eigentlich das 21. Jahrhundert wiederspiegeln sollte, könnte man aber eher meinen, die Verfassung stamme aus einer Zeit, wo der Wunsch nach Einsprachigkeit in Kärnten sehr hoch war. Es würde damit keine „Besserstellung“, wie von Ihnen suggeriert, erfolgen, sondern eine Erwähnung, ein Zeichen der Bekennung AUCH zum Slowenischen.
Sie meinen, bei der Bevölkerung gebe es einen Widerstand.

Dem muss ich widersprechen.

Ich bin selber ein Kind der frühen 90er Jahre, seit 1992 in einer zweisprachigen Gemeinde aufgewachsen. Aus meiner frühesten Kindheit kann ich mich erinnern, dass wir, wenn wir Slowenisch sprachen, oft angestarrt wurden. In der Volksschule war ich (zu) oft konfrontiert mit Sagern wie „Ihr Jugos, schleichts eich!“ „Horuck über die Karawanken mit euch“. Im Gymnasium wurde vielen meiner Freunde gesagt „Hitler hätte euch auch vergasen sollen!“ oder „Amol dawischt eich der Hitler noch!“. Vielleicht hatte ich ja noch Glück, denn meine älteren Geschwister berichteten mir, es gab zu ihrer Zeit noch regelmäßig Schlägereien, weil man es eben nicht wahrhaben und hören wollte, dass es in Kärnten auch Slowenen gibt.

Aber wissen Sie, seit dem Memorandum hat sich Kärnten verändert. Seit 2011 weht ein anderer Wind. Einer des Zusammenlebens. Man hat akzeptiert, dass wir hier auch leben. Wir Kärntner Slowenen. Wir leben hier seit Jahrhunderten. Und ohne Politik hätte es wohl auch keine aufgeheizte antislowenische Stimmung gegeben.

Sie treiben nun aber wieder einen Keil zwischen Nachbarn, Freunde, Bekannte. Sie meinen, wir gehören nicht in die Verfassung. Weil Sie gehört haben, dass es Menschen gibt, die das stört. Aus den Medien lese ich aber, dass sich viele dafür aussprechen, die Slowenen auch in die Verfassung mit aufzunehmen.

Wissen Sie, wir leben hier schon sehr, sehr lange, seit mehr als einem Jahrtausend schon. Wir zahlen in diesem Land Steuern. Wir unterrichten zweisprachige oder auch einsprachige Kinder. Wir arbeiten an Universitäten, in Unternehmen, beim Staat. Wir sitzen in Gemeinderäten, im Kärntner Landtag, Bundesrat und im Europäischen Parlament. Wir stellen, wie so viele deutschsprachige auch, das Gemeinsame, vor das Trennende. Wir engagieren uns in Kulturvereinen, Sportvereinen und den Pfarren. Und wir begrüßen unsere Nachbarn mit „Guten Tag“ und „Dober dan.“
Der Großteil der Kärntner Bevölkerung stellt das Gemeinsame, das „Skupno“, vor das Trennende. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass Sie dies auch tun.

Hochachtungsvoll,
Svetlana Wakounig
Mitglied des Vorstandes des Rates der Kärntner Slowenen / Narodni svet koroških Slovencev
Mitglied des Landesteams von NEOS Kärnten