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Corona-Karte - Service oder Panikmache?

7. Mai 2021

„Wenn ein Corona-Fall für einen gelben, zwei für einen orangen und vier für einen roten Wahlsprengel ausreichen, muss man sich die Frage stellen, ob Villachs Corona-Karte sinnvoll ist oder doch eher Panikmache?“, wundert sich NEOS-Regionalkoordinator Bernhard Zebedin.

Seit kurzem gibt es seitens der Stadt Villach eine digitale „Corona-Karte“ (https://villach.at/coronakarte), die tagesaktuelle Inzidenzzahlen auf die Villacher Wahlsprengel aufteilt. Laut diversen Medienberichten (wie meinbezirk.at und 5min.at) dient die Karte als Serviceleistung für die Villacher_innen, die sich so informieren können, in welchen Sprengeln mehr Vorsicht bei Kontakten geboten ist. „Die Corona Karte auf Bundes- und Landesebene macht ja noch Sinn, auf Sprengelebene stellt sich aber die Frage nach ihrer Sinnhaftigkeit“, so NEOS-Villach-Regionalkoordinator Bernhard Zebedin.

Er erklärt: „Laut den Berichten umfasst ein Sprengel rund 800 Einwohner. Die Karte schaltet bei einem Wert von über 0% auf Gelb, ab 0,3% auf Orange und ab 0,6% auf Rot. Nun kann man sich ausrechnen, wie viele Corona-Fälle die Ampel umspringen lassen. Ausgehend von 800 Personen sind 0,3% 2,4 Personen und 0,6% 4,8 Personen. Das heißt bei einem einzigen Fall im Sprengel ist die Ampel gelb, bei zwei Fällen springt sie auf orange und ab etwa vier Personen ist die Ampel im Sprengel rot.“

Zebedin fragt sich deshalb: „Muss ich mir als Bürger also ernsthaft Sorgen machen, wenn die Ampel in meinem Wahlsprengel gelb ist, es also einen Corona-Fall bei rund 800 Einwohnerinnen und Einwohnern gibt?“

Kritisch sieht er auch die Wirkung der Karte auf die Bevölkerung. Wer sich nur auf die Farbe des Wahlsprengels verlässt, aber nicht weiß, wie viele Personen in einem Sprengel wohnen, kann schnell unsicher werden. „Wenn es vier Corona-Fälle in meinem Sprengel gibt, ist die Karte dort rot – also optisch ein klares Warnsignal. Wenn ich weiß, dass es sich um vier Fälle bei 800 Einwohnern handelt, relativiert sich dieser Eindruck jedoch sofort wieder“, führt er weiter aus.

Wird Steuergeld so sinnvoll eingesetzt?

NEOS setzen sich seit Jahren für einen transparenten Einsatz von Steuergeld ein und auch im Fall der Villacher Corona-Karte kommen Zweifel auf. „Die Villacherinnen und Villacher haben ein Recht darauf zu erfahren, was die Erstellung dieser Karte gekostet hat – immerhin geht es hier um ihr Steuergeld“, betont Zebedin.

„Da sich mir die Sinnhaftig- und die Notwendigkeit dieser Karte nicht ganz erschließen, muss man sich auch fragen, ob das Geld dafür an anderer Stelle nicht mehr Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger gehabt hätte. Corona ist für viele von uns eine große Herausforderung. Das Geld für die Karte wäre sicher anderswo, etwa bei Familien und Alleinerziehenden, dienlicher gewesen und hätte einen größeren Mehrwert für die Bevölkerung gebracht“, so Zebedin abschließend.

NEOS-Landessprecher Markus Unterdorfer-Morgenstern fügt hinzu: „„Verzerrte und missverständliche Darstellung bringt den Bürger_innen keinen Mehrwert. Gerade in Zeiten der Pandemie und der Unsicherheit ist es nicht zielführend, solche Karten zu veröffentlichen, die angesichts der Berechnungsmodi ein verzerrtes Bild ergeben – auch wenn die Grundintention gut gemeint war. Im schlimmsten Fall sind soziale aber auch wirtschaftliche Repressalien zu befürchten, da die Villacherinnen und Villacher intuitiv und menschlich nachvollziehbar durch das Farbleitsystem rote Zonen meiden könnten“, ärgert sich Unterdorfer-Morgenstern.