Gesundheitsversorgung in Kärnten

Ärztebereitschaft am Land trotz neuer Anreize lückenhaft

11. February 2020
Flickr/Tim Reckmann (CC)

Markus Unterdorfer-Morgenstern: „Trotz weniger Stunden und mehr Honorar gibt es auch nach der Übergangsphase Lücken im hausärztlichen Bereitschaftsdienst. Wohnortnahe Versorgung in ländlichen Gebieten ist teils nicht gewährleistet.“

Ärzte-Bereitschaft: Lücken in manchen Regionen

Mit dem Jahreswechsel wurde seitens der Ärztekammer und der Österreichischen Gesundheitskasse versucht, den Ärzte-Wochenend-Dienst in Kärnten attraktiver zu gestalten: Eine um zwei Stunden verkürzte Dienstzeit bei mehr als doppelt so vielen Zulagen soll Mediziner_innen den hausärztlichen Bereitschaftsdienst am Wochenende schmackhafter machen. Konkret: Bereitschaft von 8 bis 18 Uhr (zuvor 7 bis 19 Uhr) bei einer Zulage von 450 Euro für zehn Stunden (zuvor 203,30 Euro für zwölf Stunden). Ausgenommen davon ist Klagenfurt-Stadt, wo eine eigene Regelung gilt.

„Auch wenn verkürzte Zeiten immer zulasten der medizinischen Versorgung der Bürger gehen – würde diese Maßnahme mehr Ärztinnen und Ärzte dazu bringen, die wohnortnahe Versorgung an Wochenenden und Feiertagen sicherzustellen, wäre das zumindest ein Kompromiss“, sagt NEOS-Landessprecher Markus Unterdorfer-Morgenstern.

Wohlgleich die Realität rund sechs Wochen nach Einführung der neuen Regelung anders aussieht. Schon rund um den Jahreswechsel kam es zu Versorgungsengpässen, manche Sprengel waren unbesetzt. Die Ärztekammer führte das damals auf die Regelungs-Umstellung zurück. „Doch auch jetzt gibt es Gebiete wie Kötschach-Mauthen/St. Lorenzen, in denen immer noch an vielen Wochenenden keine Ärztinnen oder Ärzte für den Bereitschaftsdienst eingetragen sind. Auch in Völkermarkt, Bleiburg oder Ferndorf bis Feistritz/Drau bleiben immer wieder Felder auf der Bereitschaftsliste leer.“

Spittal massiv betroffen: Wochenend-Bereitschaft Großteils unbesetzt

Vor allem aber ist der Bezirk Spittal laut Unterdorfer-Morgenstern massiv betroffen. So war am 11. und 12. Jänner sowie 1. und 2. Februar keine Ärztebereitschaft eingetragen. In Millstatt/Seeboden waren seit dem 1. Jänner überhaupt nur am Wochenende des 25./26. Jänners Ärzt_innen zum Dienst eingetragen. „Im Februar hatte wenigstens am vergangenen Wochenende ein Arzt Bereitschaft und für das kommende Wochenende ist auch jemand fixiert“, informiert der NEOS-Landessprecher und sagt weiter: „Es gibt gebietsweise einfach zu wenig Personal, das den Dienst an den Wochenenden auch übernehmen könnte.“

Freiwilligkeitsprinzip lässt manche 
Ärzt_innen ob Bedingungen kalt

Ein weiteres Alarmsignal für den NEOS-Landessprecher: „Ich habe mit Hausärztinnen und Hausärzten gesprochen, die mir unverblümt sagen, dass sie sich ganz bewusst gegen den Bereitschaftsdienst entscheiden, wenn sie nicht dazu verpflichtet sind und das Freiwilligkeitsprinzip herrscht. Solche Reaktionen zeigen klar, dass bei den Bedingungen für Hausärztinnen und Hausärzte im ländlichen Raum noch immer ganz viel Luft nach oben ist und nachgebessert werden muss.“

Versorgungstransparenz objektivieren 
und Bürgerpartizipation stärken

Umso wichtiger ist für den NEOS-Landessprecher endlich in Sachen Versorgungstransparenz für eine bedarfsgerechte Versorgung und Gesundheitsplanung voranzukommen: „Dazu zählen auch transparente Berichte zur tatsächlichen und zur notwendigen Versorgungslage, um Fehl-, Über- und Unterversorgung leichter zu erkennen. Zudem ist es höchst an der Zeit, eine transparente und partizipative Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern zu führen und ihre Vorstellungen einer regionalen Gesundheits- und Krankenversorgung am Land in die Versorgungsplanung einfließen zu lassen.“

Netzwerke bilden und 
niedergelassene Ärzt_innen entlasten

Unterdorfer-Morgenstern verweist abschließend auf die langjährige Forderung von NEOS, generell im niedergelassenen Bereich Hausärztinnen und Hausärzte durch die diplomierte Pflege im Sinne eines Community-Nurse-Modells zu entlasten: „Dabei geht es um Patientenbetreuung vor Ort inklusive Hausbesuche, die Pflegegeldbegutachtung, oder um Präventionsgespräche. Für die Selbstbestimmung muss zudem ein Pflegeleistungskatalog etabliert werden, wodurch die Pflege mit den Krankenkassen abgerechnet werden kann.“ Denn die Lücken im Bereitschaftsdienst der Ärzt_innen zeigen, dass es weitere Entlastungsmaßnahmen braucht, damit die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum in Zukunft gewährleistet werden kann.