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UND WIE LÄUFTS IN DER FORSCHUNG?

Seit Abschluss meines Studiums im Juli dieses Jahres quält mich eine Frage. Wobei mich selber sie ja nicht unbedingt beschäftigt, sondern eher die Menschen um mich. Nein, nicht, ob ich denn einen Job finde. Den findet das Mädel schon. Und nicht, ob es mir dann in dem Spaß machen wird, das ist nicht so wichtig anscheinend. Und auch nicht, ob ich weiter in der Forschung bleibe oder in die Praxis gehe, wen interessiert das schon?!

Nein, die Frage, die alle, abgesehen von meiner Familie, anscheinend beschäftigt, ist viel wichtiger. Viel essentieller. Eine Frau im 21. Jahrhundert mit Abschluss soll sich nicht etwa um einen Job oder ihre eigene, finanzielle Unabhängigkeit sorgen, bitte. Nein, sie muss sich dafür sorgen, dass es in der Liebe passt. Dass sie einen Prinzen findet, mit dem sie dann in seinem Cabrio davon fährt und heiratet. Und von da an ihr Leben als Hausfrau verbringt.

Hätte ich für jedes Mal, wo mir in der letzten Zeit die Frage „Und wie läufts in der Liebe“ gestellt wurde, einen Euro bekommen, ich könnte mir wohl endlich die teueren Kommentare kaufen, welche ich für die Forschung brauche.

Ich bin richtig schockiert darüber, dass sie andere Menschen viel mehr Sorgen um mein Liebesleben und das Befinden meiner Gebärmutter machen, als darüber, ob ich denn einen Job habe, ob er mir Spaß macht oder, in was für einem Gebiet ich denn jetzt eigentlich arbeiten möchte.

Auf uns Frauen lastet noch immer der Druck, sich einen Mann zu finden und ganz viele Kinder zu produzieren (ich glaube, das Geschlecht der Kinder ist heute nicht mehr so wichtig, wobei ich da meine Hand nicht ins Feuer lege!). Egal, welche Entscheidung wir treffen, wir treffen diese ja anscheinend nur, damit wir endlich, endlich einen Mann finden.

Als ich mit 18 anfing zu studieren, wurde mir von einigen Vätern von Freundinnen vorgeworfen, ich würde dies eh nur tun, damit ich mir einen (wohl hoffentlich reichen!) Freund finde, dem ich dann im Zweijahrestakt Kinder gebären kann.

Ich persönlich habe es schon richtig satt, dass ich andauern nur gefragt werde, wie es denn in der Liebe läuft, ob ich denn Kinder haben möchte und wenn, ja wie viele. Gott bewahre, dass ich die Frage, ob ich Kinder will, verneinen würde. Was, eine Frau, die Karriere machen will?! Eine Frau, die eigene Ziele verfolgt. Vielleicht will diese Frau keine Kinder? Vielleicht will sich auch eine Frau auf die Karriere konzentrieren. Ob, und wann, sie Kinder bekommt, ist die Entscheidung von ihr und ihrem Partner, und nicht der Menschen um sie herum.

Ich wünsche mir, dass man statt „Wie läufts in der Liebe?“ endlich mal auch Frauen die Frage stellt „Wie läufts in der Arbeit?“.