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Verschwendung und Wachstum im Wandel der Lebensmittelproduktion

27.09.2016 Marcel MILD

Generationengerechtigkeit einer nachhaltigen Landwirtschaft

475 Kilogramm Müll wirft jeder EU-Bürger jährlich weg, darunter 123 Kilogramm Essen.

123 Kilogramm Essen landen laut der EU-Studie pro Einwohner jährlich im Müll. Viele Produkte werden schon vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit weggeworfen, weil der Kühlschrank geleert oder ein Urlaub angetreten wird. Doch auch nach Ablauf dieser Frist sind viele Lebensmittel noch genießbar.

„Die einen haben so viel zu essen, dass sie sogar etwas wegwerfen, während anderswo die Menschen hungern.“. Dieses Argument hört man immer wieder. Doch ist das auch wahr? Würde ein vernünftiger Mensch gerne Essen wegwerfen, das er aus seiner eigenen Tasche bezahlt hat? Eher nicht.

Woran liegt es dann also, dass laut der EU-Studie jährlich 124 kg pro Einwohner am Müll landen?

Viele Experten meinen, dass die Ernährungssicherheit nur über billige Preise gewährleistet wird.

Und die kann man lt. Experten auf dem Markt nur erreichen, wenn es eine deutliche Überproduktion gibt. Es reicht anscheinend nicht, nur soviel zu produzieren, wie auch verbraucht wird.

Der industriellen Massentierhaltung werden in Europa dafür kaum Grenzen gesetzt.

Die zehn größten Schweineschlachtbetriebe weltweit haben im letzten Jahr rund 200 Mio. Schweine geschlachtet. In Niedersachsen steht Zb. der größte Hühnerschlachthof in Europa. Hier werden 2,5 Millionen Hühner pro Woche geschlachtet. Nicht weil die Deutschen so viele Hühnchen brauchen, sondern um zu exportieren und die entsprechenden Exportfinanzierungen der Fleischindustrie in Anspruch zu nehmen.

Landwirtschaftliches Denken in Österreich orientiert sich meist an Kreisläufen, das kann das Denken in Betriebskreisläufen, in Jahreszyklen aber auch in Generationen sein. Das Credo einer nachhaltigen Landwirtschaft ist Generationengerechtigkeit. Generationengerechtigkeit in dem Sinne, dass egal bei welcher Handlung, die stetige Verbesserung über Generationen hinweg das Ziel sein muss. Das gelingt in unterschiedlichen Strukturen, besonders gut funktioniert es bei Familienbetrieben. Weltweit sind rund 80 Prozent der Landwirtschaft in Hand von Familienbetrieben und auch die Strukturen in Österreich sind größtenteils typisch kleinbäuerlich und familiär. Das bedeutet nicht nur, dass eine Familie den Hof bewirtschaftet, sondern oft, dass Werte über Generationen weitergegeben werden. Werte, die für ländliche Regionen wesentlich sind und das gesellschaftlichen Zusammenleben stärken.

Unsere Gesellschaft und die Politik muss sich die Frage stellen ob wir Ernährungssouveränität wollen oder das eine Handvoll Unternehmen die globale Produktion beherrscht?

Unbestritten ist, dass wir einen neuen innovativen Ansatz in der Lebensmittelproduktion brauchen. Eine Verbindung zwischen moderner kleinstrukturierter Landwirtschaft und globaler Massenproduktion.

Das nicht zuallererst, weil wir demnächst neun Milliarden Menschen auf dem Erdball zu ernähren haben.