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„Müssen weg vom Tanten-Image!“ – NEOS luden zu Diskussion über Elementarbildung

Ganz im Zeichen der Elementarpädagogik und wichtigen Lösungen für den Kindergarten und KITAs als ersten Ort der Bildung stand der gestrige Tag bei NEOS Kärnten. Bildungssprecherin  NR-Abg.  Martina Künsberg-Sarre und Landessprecher Janos Juvan holten sich bei Betriebsbesuchen und in abendlicher Podiumsdiskussion zahlreiche Inputs aus der Praxis und stellte die NEOS Positionen vor. Fazit: Es braucht dringend klare Ziele und einen Stufenplan, um diese zu erreichen. Der Beruf selbst braucht dringend neue Perspektiven, denn derzeit hängt die Qualität der Betreuung vielfach am Idealismus der Pädagog_innen.

Seit 10 Jahren gibt es NEOS und seit genauso vielen Jahren setzen sich NEOS inklusive Gründungsmitglied NR-Abg. Martina Künsberg-Sarre für bessere Rahmenbedingungen in der Elementarpädagogik ein. „Von jeher haben wir NEOS den Ansatz verfolgt, dass der erste Ort der Bildung nicht die Schule, sondern der Kindergarten ist. Entsprechend gilt es, hier die Rahmenbedingungen zu verbessern und dabei den Fokus nicht nur auf quantitativen, sondern insbesondere auf qualitativen Ausbau zu legen. Für Pädagoginnen und Pädagogen, für Eltern und letztendlich für die Kinder!“, informieren NEOS-Kärnten-Landessprecher Janos Juvan und NR-Abg. Martina Künsberg-Sarre.

Vergangenes Jahr startete Künsberg-Sarre eine Elementarbildungs-Tour durch ganz Österreich, um sich in jedem Bundesland mit Pädagog_innen, Ausbildungsinstanzen und unterschiedlichsten Trägereinrichtungen in dem Bereich der Elementarpädagogik zu vernetzen.

Die Elementarpädagogik steht in allen Bundesländern vor ähnlichen Herausforderungen: Ein zu hoher Betreuungsschlüssel, Personalmangel, keine adäquaten Vorbereitungszeiten, zu wenig berufsbegleitende Ausbildungsmöglichkeiten für Berufsumsteiger und nicht zuletzt: die Anerkennung der Leistung der Elementarpädagogen.

Hohe Dropout-Rate, 
wenig Perspektiven für das Berufsbild

Diese Herausforderungen und Probleme wurden sowohl bei Besuchen im Betriebskindergarten der Infineon in Villach als auch dem Berufsverband BAfEP und PH in Klagenfurt thematisiert. Deutlich bekräftigt wurden sie bei der abendlichen Diskussionsveranstaltung im Europahaus in Klagenfurt von vielen Pädagoginnen und Pädagogen, die die Veranstaltung besuchten und teils in bewegenden Wortmeldungen über die Rahmenbedingungen und gleichzeitig den idealistischen Einsatz der Pädagog_innen für die Kinder untermauert. 

Tina Anton, Pädagogin und Leiterin des IDC, thematisierte zu Beginn ebenso den Personalmangel: „Ein wesentlicher Schlüssel ist dabei sicherlich die Kleingruppenarbeit. Der Fokus muss auch auf der psychischen Gesundheit der Pädagogen liegen. Die Burnout- und Dropout-Rate ist derzeit sehr hoch, was den Personalmangel zusätzlich befördert.“ Sie betont aber, dass dieser bereits vor den herausfordernden Pandemiejahren schon zu spüren war, diese hätten die Situation nur noch befeuert.  Claudia Untermoser, die Leiterin der Kindernest GmbH, pflichtet ihr bei: „Wir haben zu wenig Elementarpädagogen, die meisten gehen studieren und mehr nicht in den Beruf.“

Dieser ist – nicht nur wegen des Personalmangels, nicht mehr ausreichend attraktiv, biete wenig Perspektiven, wenig Anerkennung für die Arbeit der gut ausgebildeten Pädagog_innen mit den Kindern.
Tina Anton sagt eindringlich: „Wir müssen weg vom Tanten-Image!“ Und skizziert weiter: „Pädagoginnen und Pädagogen sind teils Idealisten, sie bereiten sich zusätzlich noch zuhause vor, da sie ansonsten keine bzw. zu wenig Vorbereitungszeit bekommen. Elementarpädagoge zu sein, bedeutet nicht nur die pädagogische Planung und Durchführung dieser geplanten Aktivitäten, wir begleiten gleichermaßen auch die Eltern und investieren viel Zeit in die Eingewöhnung der Kinder.“
Claudia Untermoser ergänzt: „Wir begrüßen jeden Euro, der in die Elementarpädagogik fließt, aber es wird sich grundlegend etwas ändern müssen, sonst machen wir in der Qualität der Betreuung einen großen Schritt zurück und der Kindergarten wird zur bloßen Aufbewahrungsstätte!“

Nicht auf Idealismus der 
Pädagog_innen verlassen

Wie es anders gehen kann, zeigt die Initiative International Daycare Center, die 2014 einen Betriebskindergarten für Infineon in Villach konzipiert hat, derzeit werden dort 190 Kinder betreut, inklusive zwei Gruppen Kleinkinder bis 3 Jahre. Neben einem Fokus auf Naturwissenschaften und Forschung begleitet jede Kindergruppe dort ein Native-Speaker, sodass die Kinder zweisprachig – englisch und deutsch – durch den Tag geführt werden. Leiterin Sophie Nelhiebel führte NEOS-Landessprecher Janos Juvan und NR-Abg. Martina Künsberg-Sarre bereits am Vormittag durch den Betrieb – der kontinuierlich wächst, gerade soll eine weitere Gruppe entstehen.

Nelhiebel informiert bei der Podiumsdiskussion: „Wir bieten den Pädagogen zehn Stunden Vorbereitungszeit pro Gruppe, im Gesetz sind zwei Stunden vorgesehen. Wir führen zusätzliche Elterngespräche und versuchen insgesamt, den Pädagog_innen Rahmenbedingungen zu bieten, die wir als normal erachten, weil sie normal sein sollten.“ Gute Kinderbetreuung kostet natürlich Geld und auch Nelhiebel sagt im Hinblick auf die Gesamtsituation in Kärnten: „Personalstunden müssen finanziell abgegolten werden, hier sind das Land und die Gemeinden besonders gefragt. In der heutigen Zeit hat der Idealismus der Pädagog_innen und das Arbeiten mit minimalen Ressourcen einfach keinen Platz mehr!“  

Investition in Kinderbetreuung auch Investition in Wirtschaftsstandort

Die Investition in die Qualität der Kinderbetreuung ist auch eine Standortfrage für Kärnten, so Juvan: „Für Fachkräfte ist ein wesentliches Entscheidungskriterium, ob ihre Kinder an ihrem neuen beruflichen Standort eine gute Betreuung und Ausbildung erhalten. Die Investition in den ersten Ort der Bildung, den Kindergarten, ist auch ein wesentlicher Faktor für den gesamten Wirtschaftsstandort Kärnten.“

 

Stadt Klagenfurt: Deutlicher Trend 
zu Ganztagesbetreuung

Klagenfurts Vize-Bürgermeister und Bildungsreferent Philipp Liesnig informierte bei der Podiumsdiskussion über die Situation der Kindergärten im urbanen Raum: „Jedes Kind hat bei uns Anspruch auf einen Platz, Halbtags oder Ganztags. Wir erkennen jedoch einen eindeutigen Trend hin zur Ganztagesbetreuung.“ Das hat natürlich Auswirkungen auf die Infrastruktur, die Stadt Klagenfurt spreche deshalb auch mit Bauträgern, um kleinere Gruppenstrukturen und mehr Raum schaffen zu können. Auch die Stadt Klagenfurt sucht für ihre Betreuungseinrichtungen Pädagogen. „Derzeit sind das 20 bis 30 Personen, was aber normalen Fluktuationen geschuldet ist“, so Liesnig. Er pflichtet bei, dass das Berufsbild für junge Menschen attraktiviert und Perspektiven bieten müsse. Wohlwissend, dass die finanzielle Ausstattung natürlich eine immense Rolle spiele. In Klagenfurt hätten Teilzeitkräfte hätten nun beispielsweise das Angebot, auf 30 Stunden aufzustocken. „Wir alle sind gefordert, auch die Infrastruktur modern und kindgerecht zu gestalten. Wir versuchen, Talente mit unterschiedlichen Einrichtungs-Schwerpunkten, wie Naturwissenschaften, zu fördern, Integrationsgruppen auszubauen und arbeiten gut und eng mit der AVS Sprachförderung zusammen“, so Liesnig. Dennoch weiß auch er, dass gewisse Dinge, wie die Betreuungsstrukturen im August mit zwei geöffneten Kindergärten oder die potenzielle Abend-Betreuung, für die ein Transport der Kinder in die Kindertagesstätte am St. Veiter Ring nötig wäre, noch „nicht ideal und ausbaufähig sind.“

„In Klagenfurt werden nun, auch unter guter Zusammenarbeit mit den NEOS,  die Kosten erhoben, die es brauchen würde, um eine Ganzjahresbetreuung gewährleisten zu können“, informiert Liesnig.

Klarer Stufenplan für mehr Perspektiven!

All das zeigt für Künsberg-Sarre eines: „Wir brauchen endlich ein klares Ziel, einen klaren Plan, der Elementarpädagoginnen und –pädagogen Perspektiven bietet, sodass sie in diesem Beruf langfristig arbeiten möchten.“ Künsberg-Sarre setzt sich vehement für einen Stufenplan ein, in dem klar die Ziele – wie Adaptionen des Betreuungsschlüssels, der Ausbildung, der Einstufung der Pädagogen etc. – formuliert sind und insbesondere auch die Schritte, die es in den kommenden Jahren zu setzen gilt, um diese Ziele auch tatsächlich zu erreichen. „Dieser klare Plan fehlt. Und da ist es leider nur verständlich, dass manche Pädagoginnen und Pädagogen resignieren, weil sie nicht sehen können, dass es in absehbarer Zeit besser wird.“

Juvan appelliert abschließend: „Letztendlich sind die Leidtragenden die Kinder, wenn Bund, Land und Kommunen nicht endlich den Schulterschluss zustande bringen und ganzheitliche Lösungen fixieren. Es wird sehr viel Geld für den Ausbau der Strukturen, Mitarbeiter und Ausbildung brauchen. Jedoch zielgerichtet und sinnvoll mit einem klaren Plan dahinter, nicht im Gießkannen-Prinzip, wie es so oft der Fall ist. Und am Ende des Tages ist dieses Geld nicht bloß eine Investition in die Pädagogen und die Qualität der Kinderbetreuung, in die Situation der Eltern und der Unternehmer, der Arbeitgeber, sondern in erster Linie für unsere Kinder und unsere Gesellschaft. Denn sonst wird der erste Ort der Bildung, der Kindergarten, wieder zur Kinderbewahr-Anstalt, wie ursprünglich der erste Kindergarten Kärntens in der Reitschulgasse, genannt wurde.“

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