Homeschooling-Chaos: Einheitliche digitale Plattform für Schulsystem längst überfällig!

2. April 2020

Unterdorfer-Morgenstern: „Covid19 und unterschiedlichste Verhältnisse im Homeschooling zeigen auf, wie sehr das Schulsystem in Sachen Digitalität hinterherhinkt. Jetzt ist Zeit, eine einheitliche Lernplattform für alle zu schaffen!“

Einsparungen im Bildungssystem merkt man nun beim Homeschooling

Während Bildungsminister Heinz Faßmann nun Pakete und Maßnahmen für den weiterhin nötigen Fernunterricht ankündigt ohne Details zu offenbaren, arbeiten Kärntens Schüler_innen weiter von zuhause aus ihre gestellten Aufgaben ab.

„Die Qualität ist äußerst unterschiedlich und hängt ganz klar von den zur Verfügung gestellten technischen Möglichkeiten ab. Die Pädagogen versuchen, diese Situation äußerst engagiert zu meistern, aber manche sind angesichts bisher fehlender Digitalität im Klassenzimmer mit einer völlig neuen Situation konfrontiert und unsicher“, zeichnet NEOS-Landessprecher Markus Unterdorfer-Morgenstern ein sehr differenziertes Bild.

Moodle-Kuddel-Muddel:
Bis zu fünf digitale Kanäle pro Schüler!

Vor allem Schüler_innen ab der 5. Schulstufe arbeiten nun dennoch mit digitalen Plattformen. „Mehrzahl, wohlgemerkt“, so Unterdorfer-Morgenstern, „denn viele Jugendliche sind gezwungen, mehr als einen digitalen Kanal für das Erarbeiten des Schulstoffs und die Kommunikation mit dem Lehrpersonal zu nutzen.
Von WhatsApp über Edu-Moodle, Edu-Vidual und Microsoft-Teams bis zur E-Mail switchen sie oft an einem Tag hin und her.“ 

Dieses Moodle-Kuddel-Muddel zeige laut Unterdorfer-Morgenstern auf, welchen Stellenwert Digitalität bislang im Schulsystem hatte.

Digitale Wende im
Schulsystem verschlafen

„In Wahrheit hat das Schulsystem die digitale Zeitwende verschlafen. Das rächt sich nun. Wenn die Regierung jetzt Pakete für die Fortsetzung des Homeschoolings schnürt – auch in Kärnten wurden solche angekündigt – dann ist es auch höchst an der Zeit, eine digitale Plattform für das gesamte Schulsystem, die Schüler_innen und Pädagog_innen österreichweit zu etablieren und einen einheitlichen, digitalen Standard zur Verfügung zu stellen. Begleitet von Lerncoachings für Schüler und Trainings für Pädagogen“, appelliert Unterdorfer-Morgenstern.

Volksschüler arbeiten analog
und sind teils von den Lehrern abgeschnitten

Eine einheitliche Plattform könnte auch die Situation für Volksschulkinder verbessern, denn dort sieht die derzeitige Situation noch viel dramatischer aus, zeigt die diplomierte Elterntrainerin Heidi Krammer von der „Elternbildung Villach“ auf:

„In manchen Klassen funktioniert der Austausch mit den Lehrern gut, auch wenn natürlich in den meisten Volksschulen die Aufgaben analog zur Abholung in der Schule bereitgestellt werden.
Doch es gibt leider auch Klassen, in denen die Lehrkörper für Rückfragen der Eltern nicht zeitnah zur Verfügung stehen, da manche Lehrer weder via E-Mail noch Telefon rasch erreichbar und oft nur einmal pro Woche in der Schule sind. In der Direktion kann man sein Anliegen deponieren. Der Rückruf erfolgt oft erst nach Tagen.“

Zebedin: „Schulen und Lehrer
mit entsprechender
Infrastruktur ausstatten!“

Eine Situation, die auch den Villacher NEOS-Regionalkoordinator Bernhard Zebedin nur den Kopf schütteln lässt:

„Jede Lehrerin und jeder Lehrer muss für den Austausch mit Schülern und Eltern erreichbar sein. Oft liegt es an den einfachsten technischen Möglichkeiten, die ihnen seitens der Schulen bzw. übergeordneten Bildungsdirektion nicht zur Verfügung gestellt werden und es ist verständlich, wenn Pädagogen ihre Privatnummern nicht öffentlich machen wollen. Aber hier liegt der Ball ganz klar bei den Verantwortlichen des Landes, Lehrkörper entsprechend auszustatten, die meisten Lehrer haben nicht einmal eine eigene, amtliche E-Mail-Adresse.“ 

Auch die Bezirksschulinspektoren sieht Zebedin in der Pflicht, die jetzt mithelfen könnten, die Situation an den Schulen zu evaluieren und dadurch rascher zu verbessern.

„Wenn ich daran denke, wie viel Steuergelder irgendwo versickern, dann kann es doch kein Problem sein, für eine rasche Lösung das Lehrpersonal der Volksschulen mit – mittlerweile sehr erschwinglichen – Prepaid-Handys auszustatten“, schlägt Zebedin eine rasche und unkomplizierte Soforthilfe vor.

Volksschulkindern entgleitet wichtige Bezugsperson

Elterntrainerin Krammer ergänzt: „Es geht ja nicht nur um Rückfragen bei Unklarheiten zu den Aufgaben. Was ebenso dramatisch ist an dieser Situation:

Die Sechs- bis Zehnjährigen, die derzeit ausschließlich auf die Beschulung und die Vermittlungskompetenz ihrer Eltern angewiesen sind, verlieren den Kontakt und die Bindung zu ihren Lehrern, die für sie wesentliche Bezugspersonen sind.

Dieser Kontakt muss, wenn auch in verringerter Form, aufrechterhalten werden. Wenn digitale Mittel fehlen, dann zumindest über einen persönlichen, regelmäßigen Anruf jedes Kindes.“

Abschließend sagen Unterdorfer-Morgenstern, Zebedin und Krammer unisono: „Was bisher im Bildungssystem eingespart wurde, fällt uns jetzt auf den Kopf.“